Lisa Mayer

 

Lisa Mayer, Auf den Dächern wird wieder getrommelt. Gedichte.

Haymon Verlag Innsbruck, 1999.

Lisa und ich kennen einander seit 1976 als Mitglieder der Salzburger Literaturgruppe "projektil". Ich studierte und arbeitete damals in Salzburg  - und sprach nach einem mißglückten Liebesabenteuer zuviel dem Alkohol zu. Dies wurde durch den "Verkehr" mit Literurgen nicht besser...... Lisa brachte mich Anfang 1977 in Kontakt mit einem Lehrer für Transzendentale Meditation. Das Alkoproblem war mit einem Schlag weg. Das also habe ich ihr ebenfalls zu verdanken. Was die Literatur betrifft, fanden wir es besser, sich daran vorläufig nur lesend zu beteiligen, wenn überhaupt.....

Als Lisa vor etwa zwei Jahren wieder begann, Gedichte zu verfassen, freute ich mich sehr. Ich besuchte sie in Salzburg und war über ihre neue Art zu schreiben ganz begeistert.

Ebenso begeistert zeigte sich die Jury des Literaturwettbewerbes 1998 für das Bundesland Salzburg. Lisa gewann ihn mit ihrer wundervollen Lyrik - und hat nun das erste Buch veröffentlicht.

In der Zwischenzeit hat Lisa mehrere Bücher veröffentlicht und u.a. auch internationale Lesungen gehabt. Hier sind einige Kostproben aus ihrer literariswchen Frühzeit:

   

OHNE GEWÄHR

Auf den Dächern
reichen die Vögel
mit breitem Gelächter
den Tag weiter

 In den warmen Bäuchen
der Häuser
drehen Kinder sich
in ihren Träumen
nach Osten 

Einer schlägt der Nacht
die Tür zu

Wieder das Dunkel
in Schränke verstaut
der Drossel geglaubt 

Von weither lügt die Sonne

  

SCHLEPPEND

holt der Abend
den Zins heim

Libellenzart
liegt eine Antwort
bereit:
in deine Hand eingebettet
morgen ein Stern

  

BLICK ZURÜCK

Horch
dieses weiße Gelächter
beim Aneinanderklingen
der Namen

Auf einen langen Blick
gefädelt Bild für Bild

Hinter Glas zittert
ein dünnhäutiges Kind
In seinen Händen schäumt Licht
von den Fingern
tropft leuchtender Honig

Eine alternde Frau
mahlt gemächlich die Zeit
Wort für Wort
zerfällt lautlos zu Staub

bäckt helles Brot daraus
in den Wintern
Schneerosen im Haar

  

DER ACHTE BRIEF

Wir wirbeln die Zeit
fliegen westwärts im Schlaf
in die rasenden Lichter der Nacht

mischen den Schneesturm
mit Küssen, verlöschen

sinken weiß blühend
zurück in die Kleider
in Haut und Gedächtnis

Ein Kelch randvoll mit Schweigen
berührt unsre Schläfen

Wir ahnen im Wiegen der Bäume
unser schwankendes Bett
aus kommenden Tagen

 

WIR WÜSTENSÖHNE

lagen im Inneren
stetig wandernder Zelte
waren Gefangene
fußlos und schwierig

bis zur Kurzatmigkeit
hin und hergeschoben
in den fleckigen Reden
von Boden und Wand 

das ungeborene Wort
aus einem Mutterstein
zog Klinge und Dorn
aus den Mündern 

wir wurden gesprochen
vom spiegelverkehrten Flimmern
silberner Wasser
vom lautlosen Brechen des Horizonts  

 

DAS MEER RAUSCHT IN DEN PAPPELBÄUMEN

das Nordmeer
geschüttelt, gerüttelt
die paar Wünsche fallen satt von den Bäumen
dem Wind auf die Schulter
der reitet davon, lachend
zügelt geflügelte Rosse

Endlich fallen von den Augen die Waben
die Honigwaben
darunter im Dunkeln gewachsen
das Augenlicht

Grün fließt es über die Felder
glitzernde Leuchtzellen überall
Das Meer rauscht in den Pappelbäumen
der Wind erntet silberne Fische

 

UND WEITER

Über steinige Rippen
den Tag hinauf 

und weiter
der Zeit
zum Tor hinaus 

über die Schulter
gezogen
ein Flügel der brach 

auf dem Scheitel
die leichte Hand
des Himmels 

 

BLONDE ZÖPFCHEN

Der Tag legt der Mutter
ein enges Kleid an
geliehene Schuh

Sie bindet die Haare in Scharlach
In ihrem Leib nisten
blonde Zöpfchen

Heimlich trägt sie
in der Brust den Schlaf
wiegt ihn
näht ihn zärtlich
mit Bildern
Ärmchen und Beinchen
aus Schnee
ein roter Apfel, eine Hand 

Ihr Blick geht die Stufen hinauf
still wird es
unter den Schritten
Zwischen Küche und Zimmer
schmeckt der Regen salzig

Das Wort schmilzt im Mund
will nicht fort 

Nachts durchwandern sie
Träume
suchen Wasser

 

 



Copyright: Lisa Mayer

 

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