Deine Augen, Rosi!


Als du mich heute nachmittag
im Spital besuchtest
und wir einander gegenüber saßen
an meinem kleinen Tisch,
zog mich eine Frage tief
in die samtene Vertrautheit
deiner Augen hinein.

Vielleicht erwecktest du den
neugierigen Buben in mir,
weil deine beiden Augen heute
dunkler und tiefer erschienen
als sonst in den mehr als
dreißig Jahren, die wir schon
zusammen leben. 

Die Tür stand weit offen,
du bliebst mir freundlich und fest,
ein tragender Ton,
verhalten schimmernd,
ein Grat aus dunkelbraunem Bernstein,
geformt nach dem ebenmäßigen Bild
deiner ewigen Seele.  

Ich wollte bleiben, da zog mein Blick,
ohne daß ich wußte warum,
sich rasch wieder auf die Außenfläche
deines Gesichtes zurück,
welches, wie von innen erhellt,
in seiner klaren
sanften Wärme strahlte. 

Ein schönes Gesicht voller Güte,
Leben und Liebe -
und eine rasch darüber hinhuschenden
Verschämtheit; wie wenn ein
ganz junges Mädchen
unvermutet im Hemdchen
ertappt worden wäre.
 

 
 
Walter Kiesenhofer, walkie@gmx.at

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