DIESES EINE

 

Als damals dieses Eine
bei sich ganz still gedacht:
ich bin ja so alleine -
da hat's die Welt gemacht.

Dies tat es liebend und mit Lust,
im eig'nen Wesen fest gegründet.
War selig seiner selbst bewußt -
und was an Möglichkeit sich findet.

Noch reines Sein, schon zarte Schwebung;
es keimt und sprießt in diesem Schoß.
Des Sicherkennens erste Regung
beginnt ein Spiel, unendlich groß.

Aus eins wird drei,
ist nichts dabei,
und drei ist eins
und keines keins,
das ist des Pfeiles Spitze,
das glüht im Stern als Hitze,
das liegt zugrund dem Weltenrund,
tut uns des Wissens Wesen kund.

Still verharrend ohne Ende
erschafft Es immerzu.
Ja, ohne Es verschwände
Bewegung selbst - und Ruh.

Und dennoch: selbstvergessen
hat das Wunder sich verdeckt.
Als Vielfalt ausgemessen -
bleibt Einheit uns versteckt.

Was kann denn vieles sein und eines,
begehrt der kluge Geist schnell auf.
Drei ist drei und eins nur eines,
ein jegliches folgt seinem Lauf.

Und wenn nicht so - wie anders
fänden wir zur Quelle,
wo Rishi, Devata und Chhandas
beleben jede Zelle?

Schließ’ einmal beide Augen,
sei einfach, ruhig und ganz still.
Intelligenz kann nur in Stille taugen,
wenn sie sich selber finden will.

Aus dem Grunde der Gedanken
durchdringt dich neue Kraft.
In Einheit fest, wirst du nicht wanken,
erringst des Lebens Meisterschaft.

Löse dich von dem Getümmel,
wenn es dich fest umfangen hält.
In deinem Herzen ist der Himmel.
Schöpf' ihn von dort für diese Welt!


 
 

Aus der Svetasvatara-Upanishad:

"In Wahrheit bist du immer mit dem Herrn vereint.
Jedoch, du mußt es wissen.
Nichts anderes ist wert, 
gewußt zu werden."

 
 

                                    Walter Kiesenhofer, walkie@gmx.at

 
 

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