Smartphonische Andacht

 
Gesenkten Hauptes stehen Menschen
auf Gehsteigen, auf Plätzen,
in Straßenbahnen, Bussen oder
auch in der freien Natur,

ihren Blick gebannt auf die
zusammengelegten Hände gerichtet;
bewegungslos, in Demut
dem handlichen Ding hingegeben,

das sie halten und auf dem sie
bisweilen mit großer Geschicklichkeit
ihre Finger tanzen lassen,
ohne je aufzublicken.

Wie in demütiger Hingabe
bleibt nicht nur ihr Haupt gesenkt,
es ist auch die Welt um sie herum
völlig gegenstandslos geworden.

So mögen früher Heilige
in ihrer demütigen Hingabe
ganz aufgegangen sein
an ihren verschwiegenen Orten.

Ich würde mir von Herzen wünschen,
dass meine Zeitgenossen
zumindest zu einem Bruchteil
nicht nur so smartphonefromm wären,

sondern das wunderbare Licht,
das sie in sich tragen,
ebenso innig wertschätzen könnten
- zum Wohl für uns alle!


 
 

Walter Kiesenhofer, walkie@gmx.at

 
 

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