Tagnachtkanzler

 

Wieder fiel ihm eine Nacht
auf den hellen Tag
und schlang ihm die Nabelschnur
uralter Sehnsüchte eng
um den groben Leib.

Falls die Erdfrau
seine letzte Aufgabe noch
heute dem Kanzleramt vortragen sollte,

wird er sich morgen bereits
das Eingemachte auf sein
Früchstücksbrot streichen können.
 
Jedoch weiß bis jetzt niemand genau,
ob der Kanzler seinen Kaffee
schwarz trank und

ob er zwei oder drei
oder gar vier Brötchen verzehrte.

Nicht wenige Menschen
stecken am frühen Morgen
etwas schief in ihrer Haut
und eiern dann, wie ferngesteuert,
durch den Tag.
 

Wer (oder was)
wohl unseren Kanzler
steuern mag?

 
 
 
         walter kiesenhofer, walkie@aon.at
       

 

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